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alle tage ist min klage

Das Wort Minne ist ein abstrakter Begriff und wird als Personifizierung gebraucht. Die Minne ist die Gebieterin. Sie verlangt vom lyrischen Ich, dem Sänger, dass er singt. Für den Minnesänger ist es ein Dienst (Huldigung/Lobpreis). Die Schönheit und Tugendhaftigkeit der frouwe (Frau/Herrin) wird gepriesen als Dienst in der Öffentlichkeit. Dem werbenden Sänger wird nichts gewährt und so bleibt ihm nur die Klage über das gefangene Herz, die lange Zeit des Wartens. Die Unerreichbarkeit der frouwe ist minnegliches Gesetz.

Handschriften sind die ältesten Zeugnisse dieser mittelalterlichen Literatur. Es sind uns etwa 40 Stück erhalten. Als ganz besonders qualitätsvoll gelten die „Kleine Heidelberger Handschrift“ (1275), die „Weingartner Handschrift“ (1306), die Jenaer Liederhandschrift, welche ausnahmsweise auch Noten enthält, und die bekanntesten: die „Mannessische Handschrift“ mit 138 Miniaturen (ca.1400) sowie die „Carmina Burana“ (um 1230).
Es handelt sich dabei aber nicht um originale Texte der Urheber sondern um Abschriften. Dabei wurden die Texte ständig bewusst und auch unbewusst (z.B. durch Fehler, wie Verrutschen in der Zeile) verändert und der jeweiligen Situation angepasst. Im Mittelalter gab es noch kein Verständnis von autorisierten Texten. Man konnte nie wissen, woher die Geschichte stammte, die da von den Spielleuten durch die Lande getragen wurde. In ihren Liedern betonten die Dichter deshalb gelegentlich, dass auch wirklich wahr sei, was sie dem staunenden Publikum erzählen. Einige Dichter bleiben in den Handschriften auch anonym, wie der Verfasser von „du bist min, ich bin din“.

Bekannte Dichter für klassische Minnelieder der Hohen Minne sind z.B. von Heinrich von Morungen, dem Autor von: „Vil süeziu senftiu toeterinne“ - „Ihr süße sanfte Mörderin“ und Rudolf von Fenis: „Minne gebuitet mir“. Besungen werden die ritterlichen Tugenden des Adels: Maze (Mäßigkeit, maßvoll sein), staete (Beständigkeit), mout (Gesinnung) und truiwe (Treue).
Höfische Liebe wird im 12. Jahrhundert als gesellschaftlicher Wert betrachtet. Die Liebe veredelt den Menschen. Die höchste Form der Veredelung liegt in der unerfüllten Liebe, die dafür in Texten ausgedrückt wird. Sie wird in der Minne erstmals in der deutschen Literatur als Gewalt, als eigene Kraft verstanden. Unabhängig vom König und stärker als der Tod. Die Hohe Minne (1170-1220) spornt an, da sie entsagte Liebe bleibt. Die niedere Minne schmerzt. (1210-14.Jh.)

Eine Vorstellung zur Entstehung der Minne klingt wie folgt: Die adeligen Damen des hohen Mittelalters saßen auf ihren Burgen, während die ritterlichen Herren in Schlachten zogen oder lange Pilgerreisen unternahmen. Um die Frauen an den großen Höfen und sammelten sich Gelehrte und Minnesänger.
Die Lieder der Sänger hatten oft französische Vorbilder und Inhalte aus der Antike.

Berühmte Minnesänger:
Heinrich von Morungen
Friedrich von Hausen
Wolfram von Eschenbach (z.B. Parzival)
Dietmar von Aist
Steinmar
Reinmar
Hartmann von Aue
Walther von der Vogelweide
Neidhart von Reuenthal
Gottfried von Straßburg (Tristan und Isolde)
Oswald von Wolkenstein

Quellen:
Karl Lachmann und Moriz Haupt: Minnesangs Frühling
Max Wehrli: Literatur im dt. Mittelalter
Lexikon des Mittelalters. münchen/Zürich 1980ff.
Joachim Bumke: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter
S.C. Jaeger: The Origins Of Courtliness
H.-P. Duerr: Nacktheit und Scham
Der Mythos und Zivilisationsprozess
Norbert Elias: Über den Prozeß der Zivilisation
Ingrid Kasten: Frauenlieder

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